Bericht über das Seminar mit einer 6. Realschulklasse
14.06. - 18.06.2004

  • Teamer: Alida Haller, Carsten Maat, Anita Pucknat
  • Themen: Klassengemeinschaft

    Am ersten Tag wurden vor dem Mittagessen lediglich die Zimmer verteilt und die Hausregeln erklärt. Nachmittags stiegen wir mit einer Kennenlernrunde ein und nutzten die restliche Zeit zu einer Erkundung des Dorfes. Zu diesem Zweck ließen wir die Schüler eine Dorfrallye durchführen. Nach dem Plenum und dem Abendessen gestalteten die Schüler ihre restliche Freizeit nach eigenem Belieben.

    Dienstags fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad zum Arends-Hof. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, bedrohte Haustiere in ihrer Art zu erhalten.Während des Besuches gab es einen kleinen Unfall, sodass ein Schüler ärztlich versorgt werden musste (auffällig in diesem Zusammenhang war, dass die anderen Schüler sich trotz der stark blutenden Kopfwunde ihres Klassenkameraden sehr fürsorglich verhielten und bemüht waren, ihn zu beruhigen).
    Die Fahrradtour wurde danach ohne den verletzten Schüler fortgesetzt. In Coevorden gaben wir der Klasse Zeit zum Einkaufen und Erkunden der Innenstadt. Dabei fiel es einigen Jungen schwer, diese Zeit zu füllen, die Mädchen hatten in diesem Punkt weniger Probleme.
    Nach Ankunft in der Jugendbildungsstätte konnten die Schüler ihre Freizeit bis zum Plenum selbst gestalten. Am Abend wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, in Haus 4 ein Fußballspiel über den "Beamer" anzuschauen.

    Mittwochmorgen führten wir mit den Schülern den sogenannten "Vertrauenspfad" durch. Dies ist ein durch Flatterband abgestecktes Wegstück, dass man erst allein und dann zu zweit durchlaufen muss (wobei im zweiten Teilstück die Rolle des Geführten und des Führenden mindestens einmal getauscht werden). Den Schülern hat dies großen Spaß gemacht, sie sind sehr offen und aufgeschlossen durch den Pfad gegangen.. Besonders der erste Teil war für viele ein Erlebnis, da es für viele eine Erfahrung war, die völlig unbekannt war und auf die man sich erst einmal einlassen musste. Nach Bewältigung des Pfades wurden ganz unterschiedliche Gefühle geäußert. Einige Jungen beschrieben die Situation als "komisch" und sagten, dass sie sich auf dem ersten Wegstück "einsam" gefühlt hätten. Keiner der Schüler hat sich jedoch verweigert und auch an den Aktionen, die am Start- und Zielpunkt angeboten wurden, beteiligte sich jeder. Dabei handelte es sich einmal um das "Menschliche Pendel" (Vertrauensspiel, bei dem ein Schüler mit verbundenen Augen von um ihn herumstehenden Schülern aufgefangen wird) und um die "Menschliche Kamera". Diese Spiele leiteten den Nachmittag ein, der zum großen Teil aus Kooperations- und Gemeinschaftsspielen bestand.
    Besonders interessant zu Beobachten war die Zusammenarbeit der Schüler bei Spielen wie "Gefängnisausbruch". Dort übernahmen zwei Schüler die Führung fast im Alleingang, ohne dass der Rest der Klasse Einwände dagegen erhob. Ein weiteres Kooperationsspiel ("Das Schäferspiel") konnte jedoch mangels Absprachen zwischen den Schülern nicht erfolgreich abgeschlossen werden, da es den Teilnehmern an Ausdauer und Weitsicht fehlte. Erst während des Spielverlaufs wurden den Schülern die Schwierigkeiten bewusst, und sie erkannten, warum ihre Taktik keinen Erfolg hatte. Das Angebot, das Spiel zu wiederholten, lehnten die Schüler ab. Wir beharrten nicht auf einer Wiederholung, da zu diesem Zeitpunkt bereits Ermüdungserscheinungen der Schüler zu beobachten waren und die grundsätzlichen Absprachefehler von ihnen erkannt worden waren.

    Den Abschluss der Woche begingen wir mit einem Stockbrotabend und einer Schüler-Disco, was von allen Schülern begeistert angenommen wurde.

    Berichte über die Workshops:

    Gruppe 1 : Erstellen eines Werbeplakats, durchgeführt von Anita.

    In dieser Gruppe waren 9 Mädchen aus zwei Klassen. Beim ersten Ideensammeln fiel mir schon die Unterschiedlichkeit auf. Während die eine Mädchengruppe viele Ideen hatte und auch sofort wusste, wie sie diese umsetzen könnten, hatte die zweite Gruppe enorme Schwierigkeiten, eigene Ideen zu entwickeln. Diese Gruppe musste ich den ganzen Vormittag anleiten. Am Nachmittag, als es um die künstlerische Gestaltung des Plakates ging, entwickelten sie jedoch eigene Ideen und Kreativität. Die erste Gruppe hatte alleine bereits festgelegt, wo und wie sie Fotos machen wollten und ich brauchte nur als "Auslöser" fungieren. Sehr eigenständig setzten sie ihre Ideen um und entwarfen kreativ ein Plakat zu dem Thema "Gemeinschaft".

    Gruppe 2: Entwicklung und Umsetzung zweier Fotostories, angeleitet von Carsten.

    Mein Angebot an die Schüler bestand darin, gemeinsam eine Fotostory herzustellen, wobei meine Aufgabe lediglich das Fotografieren sein sollte, und die gesamte Handlung, die Dialoge und sonstigen Texte von den Schülern kommen sollten. 11 Schüler meldeten sich zu diesem Projekt und nach einer kurzen Einführung in die Thematik ("Gemeinschaft") war man sich einig, die Gruppe zur Entwicklung der Geschichte streng nach Jungen und Mädchen aufzuteilen. Dagegen hatte ich nichts einzuwenden, da sowohl die Geschichte der Jungen als auch der Mädchen Darsteller beiden Geschlechts beinhaltete und eine Zusammenarbeit innerhalb der großen Gruppe somit gewährleistet war.
    Die Geschichte der Mädchen drehte sich um eine Clique, deren weibliche Mitglieder alle in denselben Jungen verliebt sind, diese Schwärmerei aber am Ende zu Gunsten der gemeinsamen Freundschaft überwinden.
    Die Schülerinnen verzichteten interessanterweise auf die bei üblichen Foto-Love-Stories verwendeten Sprechblasen und fertigten statt dessen Bildunterschriften an, die den Verlauf der Handlung verdeutlichten.
    Die Jungen entwickelten eine recht komplexe Handlung, in deren Verlauf ein Liebespaar aus der jeweils homogenen Clique ausgeschlossen wird, da man ihnen ihr Glück nicht gönnt. Am Ende lässt man jedoch die über verschiedene Cliquen bestehende Freundschaft zu und überwindet die bestehenden (und unbegründeten) Abneigungen.
    Diese zweite Geschichte machte die Mitarbeit aller 11 Schüler nötig und wurde äußerst engagiert von allen Beteiligten umgesetzt.
    Die Texte (Bildunterschriften, Sprechblasen) wurden am Nachmittag gemeinsam am PC eingegeben und auf die auf Karton angebrachten Fotos geklebt. Insgesamt wurde das Projekt von allen Schülern mit großer Motivation angenommen. Auch gab es überraschenderweise niemanden, der gegen die Präsentation "seiner" Fotos vor den beiden Klassen etwas einzuwenden hatte (überraschend war dies insofern, da es bei der Herstellung von Fotostories oftmals SchülerInnen gibt, die mit ihrem Erscheinungsbild auf den Fotos nicht zufrieden ist und einzelne Fotos zurückhalten bzw. sich gegen eine öffentliche Ausstellung aussprechen).